Wir entdecken Dresden.

September 01, 2019

Wir entdecken Dresden.

Einen herrlich süßen Moment lang liege ich im Bett und lasse die Sonne meine Nase kitzeln, während mir bewusst wird, dass vor mir ein wunderbar freies Wochenende liegt! Zwei Tage ohne Verpflichtungen. Und bei dem vielversprechenden Wetter bietet es sich an, eines meiner liebsten Spiele in meiner Heimatstadt zu spielen: Tourist.

Auf ausgelatschten Pfaden durch die Stadt wackeln und aus der Besucherperspektive Dresden entdecken. Na gut, vielleicht amüsiere ich mich dabei auch gern über eben diese Besucher, die in den seltsamsten Posen versuchen Selfies zu schießen und sich die ganze Zeit fragen, wo denn der Fürstenzug abfährt, aber ein bisschen Spaß muss schließlich sein! Und weil das Ganze noch mehr Spaß macht, wenn man nicht alleine unterwegs ist, habe ich mich gestern schon mit meiner lieben Ella zum gemeinsamen Touristen-sein verabredet. Die Abmachung: Wer zu erst wach ist, ruft die andere an und dann gehts los!

Ein Telefonat und ca. 30 Minuten später, ziehe ich meine Wohnungstür hinter mir ins Schloss und schwinge mich auf mein Fahrrad. Als ersten Treffpunkt haben wir uns eine kleine Espressobar am Dresdner Schillerplatz ausgesucht: Charlottes Enkel. Neben dem weltbesten Kaffee, gibt es hier vor dem Ladengeschäft eine Sitzmöglichkeit im Schaufenster, wo man hervorragend pausieren und seine ganze Aufmerksamkeit dem Treiben auf dem Platz schenken kann. Der, wie wir finden, perfekte Ort um einen Tages-Tour-Plan zu schmieden!

Bei zwei großen Milchkaffees und leckerem hausgemachten Schokokuchen sitzen wir also verträumt im Schaufenster und beobachten Leute. Der Schillerplatz ist ein wunderschöner historisch gewachsener Verkehrsknotenpunkt. Direkt um die Ecke ist das Blaue Wunder - eines der unzähligen sehenswerten Bauwerke Dresdens. Unterhalb der Brücke gibt es neben dem Schillergarten einen kleinen Eisladen - weltbestes Eis! Meine Empfehlung: Eine Kugel Eierlikör und ganz wichtig: mit Sahne. Klingt nach Oma-Kaffeekränzchen, schmeckt aber fantastisch. Aber diese Info nur so am Rande.

Ella und ich haben uns für eine Fahrt in die Neustadt entschieden. Weil wir da so lange nicht waren. Mit der Bahn. Die Drahtesel bleiben hier. Also springen wir frohen Mutes am Schillerplatz in die Straßenbahn Linie 6 und fahren damit bis zur Haltestelle Bautzner-/Rothenburger Straße.

Die Dresdner Neustadt ist das alternative Viertel der Stadt. Sie liegt gegenüber der historischen Altstadt auf der anderen Elbseite und beherbergt zahlreiche Cafés, Bars, Ateliers und individuelle kleine Geschäfte mit besonders ausgewählten Produkten.
Kurzum: Ein Paradies zum Stöbern am Tag und zum Feiern zur Nacht!

Samstag 12:30 Uhr ist eher Flanieren und Kucken angesagt. Das können Ella und ich ziemlich gut. Wir schlendern von der Haltestelle die Rotenburger Straße entlang bis diese die Böhmische Straße kreuzt. Wir wollen nämlich ins Catapult - ein zauberhaftes Geschäft für Geschenke und liebevollen Krimskrams. Der Muss-Abstecher Nummer 1! Eine halbe Stunde später und einige Euro ärmer, stehen wir, bepackt mit 2 Papiertüten voller Aufmerksamkeiten für unsere Lieben, wieder auf der Straße. Als nächste Station haben wir uns die Kunsthofpassage auserkoren. Wir tibbeln also weiter stadtauswärts.

Diese Kunsthofpassage besteht aus mehreren miteinander verbundenen Innenhöfen, in welchen sich wunderschöne Ateliers, Geschäfte und auch ein bisschen Gastronomie angesiedelt haben. Wer die Fruchtfliege kennt, wird hier ebenso fündig, wie jemand der sich Kleidung abseits der großen Modeketten kaufen möchte - zum Beispiel bei Mrs. Hippie - oder sich einfach für Tee und Feng Shui interessiert. Und für wen das alles nichts ist, der kann sich ja die Wartezeit damit vertreiben, das fantastische Wasserspiel im Innenhof an der Rückseite eines der Wohnhäuser anzusehen. Am besten dann bei Regen. Da trommelt und klimpert dieser nämlich liebevolle Melodien.

Wir verbringen also ein bisschen Zeit in diesem Areal, bevor es uns wieder weiterzieht. Eigentlich zurück. In Richtung der Altstadt, aber vorher muss noch ein kleiner Abstecher sein. In die ehrwürdige Weinhandlung “Weine & Spirituosen - Ellen Bethe”. Alaunstraße/Ecke Böhmische Straße. In dem Geschäft steht noch eine schöne alte Ladeneinrichtung inklusive einer alten Kasse, wie es sie heute leider nicht mehr allzu oft zu sehen gibt.

Nach einer kurzen Stipvisite geht es ausgehungert, jetzt aber wirklich!, zurück. Wenigstens auf die “richtige” Elbseite. Wir wollen schließlich noch einen Spaziergang durch die historische Altstadt machen und überlegen auch schon, in welcher Bar unseres Vertrauens wir zum finalen Abschluss des Tages einfallen.

Und während wir uns eigentlich schon in Bewegung setzen, kreuzt ein kebabessendes Pärchen unseren Weg. Ein Blickwechsel genügt und wir drehen um.

“Wie früher?”
“Wie früher!”

10 Minuten später mumpeln wir fröhlich jede an einer Hälfte eines Dürums. Der Kebabmeister unseres Vertrauens (Babos) hat uns schon zu Abizeiten damit glücklich gemacht, wenn wir nachts nach dem Tanzen halb verhungert bei ihm einfielen und uns einen Dürum teilen wollten. Irgendwie auch schön, dass sich manche Sachen nicht ändern.

Während wir noch in Erinnerungen schwelgen, nähern wir uns dem Albertplatz. Wer sich für Schriftsteller interessiert, wirft jetzt - wie wir - einen Blick auf die Villa Augustin. Ihr erkennt sie daran, dass auf der Mauer die Figur eines Jungen sitzt. Diese Villa gehörte dem Onkel von Erich Kästner, welcher übrigens ein Kind der Dresdner Neustadt war. Kästner schrieb einmal diese Liebeserklärung an Dresden:

„Wenn es zutreffen sollte, daß ich nicht nur weiß, was schlimm und häßlich, sondern auch, was schön ist, so verdanke ich diese Gabe dem Glück, in Dresden aufgewachsen zu sein. Ich musste, was schön sei, nicht erst aus Büchern lernen. Nicht in der Schule, und nicht auf der Universität. Ich durfte die Schönheit einatmen wie Försterkinder die Waldluft.“

In dem ehemaligen Wohnhaus befindet sich heute das Erich Kästner Museum. Das steht noch auf unserer Liste - allerdings nicht für heute.

Vom Albertplatz geht es die Hauptstraße entlang, Richtung historische Altstadt. Mit einem kleinen Schwenk in die Neustädter Markthalle. Dort ist in der oberen Etage nämlich Trödelmarkt. Und wer Kuchenhunger hat, biegt jetzt noch schnell ab ins Schwarzmarkt Café. Wir nicht. Hatten ja gerade Kohlenhydrate satt. Also weiter. Richtung Augustusbrücke - am Goldenen Reiter vorbei - “Hallo August!” und da liegt sie vor uns. Nur noch eine Flussquerung entfernt, die schön(st)e Altstadt mit ihrem Balkon.

Die Augustusbrücke wird gerade saniert, deswegen müssen wir weniger auf Autos, aber mehr auf Fahrrad- und neuerdings auch Rollerfahrer achten. Wer über die Brücke schreitet, läuft geradewegs auf die katholische Hofkirche zu. Nur eines der imposanten Bauwerke, an denen wir uns gerade schon wieder nicht satt sehen können. Und überall tummeln sich lustig bunte Menschen.

Wir lassen die Hofkirche rechts liegen und biegen vor dem Durchgang des Schlosses nach links ab. So flanieren wir entlang des Fürstenzugs - einer Darstellung des Geschlechts der Wettiner (Königshaus Sachsen) auf Meissner Porzellan. Nach und nach schiebt sich die Dresdner Frauenkirche in unser Blickfeld. Da wollen wir hin - einmal um die dicke Kirche kreiseln - dabei die zahllosen Kleinküstler bewundern, die ringsherum ihre Darstellungen bieten - und dann weiter in Richtung Zwinger.

Vorher noch einen kleinen Stop in der Icerolls-Factory: mit einer Bubble-Waffle in der Hand schlendert es sich schließlich noch entspannter!

Der Dresdner Zwinger ist eine Art Orangerie, die unser “August der Starke” (Kurfürst Friedrich August I.) ab 1709 erbauen ließ. Heute das Gebäudeensemble Museen, Ausstellungen und bietet Raum für Schauspielerei und Konzerte. Wir schlendern einmal, gemeinsam mit vielen echten Touristen, hindurch und nehmen den Ausgang in Richtung Elbe. So stehen wir ganz schnell vor der Dresdner Semperoper.

Erschreckend, wie viele Touristen denken, dass es sich dabei um eine Brauerei handelt - nur weil sie für Werbezwecke einer hier ansässigen, hopfenverbrauenden Institution genutzt wird - aber nein, hier wird tatsächlich Theater gespielt und Kunst betrieben! Ein Blick hinter die Kulissen oder der Besuch einer der zahlreichen Aufführungen lohnt sich hier übrigens auch immer, aber dafür haben wir heute keine Muse mehr.
Langsam aber sicher machen sich nämlich unsere Füße bemerkbar und die Arme werden auch immer länger. Eine letzte Entscheidung für heute steht allerdings noch aus: Der finale Barbesuch.
Aber da werden wir uns auch ganz schnell einig - zu Fuß umrunden wir das italienische Dörfchen und steuern auf das Basteischlösschen zu. Dort hat das Kobalt eröffnet. Bei einem Moscow Mule sitzen wir mit Blick auf die Elbe und lauschen den Klängen eines Konzerts, welches auf der anderen Elbseite bei den Filmnächten am Elbufer gerade begonnen hat ...

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