Kochsternstundenmenütestessen. Oder: Wie öffne ich eine Auster?

März 03, 2019

Kochsternstundenmenütestessen. Oder: Wie öffne ich eine Auster?

„Gute Planung ist die halbe Miete.“, sagt der Volksmund. Im unserem Alltag bedeutet gut und lange voraus geplant vor allem, dass kurzfristig dann meistens was dazwischen kommt. Ein konkretes Beispiel? Zum Beispiel wollten wir das Restaurant Canaletto probieren. Phil und ich. Ungefähr 3 Wochen im Voraus geplant. Dann kam ungeplant ein Ausflug nach Berlin dazwischen. Für Phil.

Was macht Frau dann? Einen Mann mitnehmen, der das Ganze als Date versteht? Nein. Bei zurückliegenden Ausflügen hat Nadine sich unserer Meinung nach als NachwuchsGenussAgentin qualifiziert. Also haben wir beide einen Mädelsabend ins Leben gerufen und sind gemeinsam losgezogen um das Kochsternstunden-Menü im Canaletto zu genießen.

Wer es nicht kennt: Das Restaurant Canaletto befindet sich im Hotel The Westin Bellevue mit direktem Blick auf die Silhouette von Dresdens Altstadt. Für unseren Abend waren Tische im Atrium eingedeckt – eine Art überdachter Innenhof in einem sehr stilvollen Ambiente. Der Clou: die Vorspeise wurde in eben diesem Atrium zubereitet und wir konnten dem Souschef Thomas Adam live dabei zusehen. (Was irgendwann dazu führte, dass ich mit einer Schürze neben ihm stand und mir habe zeigen lassen, wie man Austern richtig öffnet. Aber dazu vielleicht später mehr …)

Thomas Adam und das Dessert des Menüs hatten wir im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung der Kochsternstundenauf Schloss Proschwitz schon kennengelernt. Dort waren wir schon schwer begeistert und umso neugieriger waren wir nun auf das restliche Menü!

Die Restaurantleiterin Jenny Veit nahm uns herzlich in Empfang und geleitete uns zu unserem Tisch, wo wir kurze Zeit später Besuch des Winzers Frédéric Fourré aus Radebeul bekamen, welcher mit seinen Weinen für die korrespondierende Weinbegleitung des Abends sorgte. Was für eine schöne Überraschung! Es ist immer wieder ein schönes Erlebnis, den Winzern lauschen zu können, wenn sie ihre Weine selber vorstellen. Das klingt immer ein bisschen nach Eltern, die ganz begeistert von ihren Kindern berichten. Also, los:

Nach Frédéric(be)grüßte uns auch schon das Team aus der Küche mit: Gebackener Wachtel | Erbsenpüree |Espressogelee | Rote Beete | Mangold.

Zum Ankommen und Akklimatisieren war das für uns genau das Richtige. Und während wir neugierig das Atrium mit unseren Blicken erkundeten, erreichte uns der erste Gang des Menüs – eine Komposition von Meeresfrüchten: Hummer | Kaisergranat | Garnele | Jakobsmuschel | Grünschalmuschel | Auster.

Der nächste Gang – ein Rosenwasser-Zitronensorbet – erfrischte uns wunderbar. Und während wir genüsslich den von Frédérickredenzten Wein dazu probierten, wie er es uns empfohlen hatte (erst: nur Riechen; dann: der Wein solo; später: der Wein in Kombi mit dem Sorbet; zum Schluss: Wein nochmal solo), bemerkten wir, dass wir unsere Nasen ja noch gar nicht in Thomas Adams Töpfe gesteckt hatten. Das mussten wir ändern! Vor dem nächsten Gang wollten wir schließlich noch wissen, was denn eine Grünschalmuschel ist. (Von der hatten wir vorher noch nichts gehört.) Nichts wie los, an Thomas Adams „mobile Küche“. Geduldig beantwortete er uns diese und andere Fragen und verriet uns auch das Geheimnis um seine fabelhafte Soße, welche zu Gang Nr. 1 gehörte. Und er lud uns zum Mitmachen ein: Austern öffnen zum Beispiel. Bevor wir uns eine Ausrede dafür einfallen lassen mussten, bemerkten wir (zum Glück), dass unser nächster Gang bereits im Anmarsch war.
Also, nichts wie zurück zum Tisch. Für Gang Nr. 3. Das Quintett vom Rind: Quitte | Süßkartoffel | Spitzkohl | Karotte | Sauce béarnaise | Portwein.

MMhhhh – das wäre ein Gang ganz nach Phils Geschmack. „Ob wir ihm nicht einen kleinen Schnappschuss schicken sollen? Nur um sicher zu gehen, dass er nicht vergisst, was ihm hier entgeht?“, fragte ich Nadine, nachdem wir unsere Teller geleert hatten und noch einmal genüsslich am Wein nippten, als es neben mir tönte:
„Alles Käse.“
„Wie bitte?!“
„Der nächste Gang.“, erklärte Jenny Veit lächelnd und stellte uns Gang Nr. 4 auf den Tisch – Die Sächsische Käsevariation mit Früchtebrot | Beeren & Senf.

Der Abschluss des Menüs war dann ein Wiedersehen mit Freu(n)den – das Dessert: Süßes aus dem Winterwald: Kastanie | Sanddorn | Kirsche | Mandel | Zimt | Nelke.

Und wieso „Freu(n)den“, fragt ihr euch? Weil sich Thomas daran erinnerte, dass er uns zeigen wollte, wie man eine Auster richtig öffnet. Zum Dessert gab es für mich also auch eine Schürze und leider keine Ausrede mehr. Nadine war so freundlich und hat das Ganze in Bewegtbildern festgehalten. Die findet ihr in unserem Insta-Account.

Unser Fazit zum Menü: Wir hatten einen sehr schönen, kurzweiligen Abend! Das Essen war fantastisch! Wir konnten mit dem Winzer über seine Weine philosophieren und dem Souschef Küchentipps & – tricks entlocken, der Service im Restaurant war zuvorkommend, freundlich und stets zur Stelle und alle Fragen von uns wurden super freundlich beantwortet! Großartig war die Austern-Action zum Schluss. Toll, wie offen und flexibel alle auf unsere Wünsche und Ideen reagiert haben.

Ein rundum gelungener Abend – vielen Dank dafür!


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