Dobrý den, Käsekoma! Eine Hommage an die Sonntagsausflüge meiner Kindheit.

August 19, 2020

Dobrý den, Käsekoma! Eine Hommage an die Sonntagsausflüge meiner Kindheit.

Früher gab es bei uns oft diese langweiligen Sonntagsausflüge. Früher meint, dass die kleine Caro vielleicht 10 Jahre alt war. Wenn ich als Wochenendausflüglerin meine Großeltern besuchte, fuhren wir häufig „mal essen“.

„Mal essen“ war eine recht kurze Zusammenfassung dessen, was vor mir lag. Eine gefühlt ewig dauernde, langweilige Autofahrt in unser Nachbarland Tschechien. Endlos lange Stunden, die sich wie ein alter, zäher Kaugummi für mich dahinzogen. Ewig im Auto sitzen, um in irgendeinem Lokal zu landen, wo die Knoblauchsuppe so gut schmeckt, der Fisch ganz besonders war oder aber eine Wandmalerei („Die findest du doch so schön?!“ – Zitat Oma) mich anscheinend so begeistert hat, als wäre es die Sixtinische Madonna persönlich.

Wenn wir dann unser Ziel erreicht hatten, gab es „Endlich was zu essen!“ – O-Ton Opa. Essen war immer ein Thema. Ständig hatten die beiden Angst, dass ihre Enkel vom Fleisch fallen könnten. Oma wurde aus diesem Grund eine ziemlich verlässliche Quelle für alles, was Mama nicht gut fand. Allem voran Schokolade und Kekse.

Hatten wir uns also entschieden, an welchem der (oftmals alle!!) freien Tische wir sitzen wollten, ging die Diskussion los. Ich hatte nämlich keinen Hunger. Wovon auch? Bewegt hatte ich mich seit dem Frühstück nur zum Auto und von dort an den Tisch, an dem wir jetzt diskutierten. Die Tische waren übrigens nicht alle frei, weil das Essen in den Lokalen nicht gut war. Das Problem war die Uhrzeit! Kurz nach 11 Uhr stellte sich bei mir eben noch kein Mittagshunger ein und offensichtlich auch nicht bei den Gästen, die alle erst später einflogen und die leeren Gaststuben mit Leben füllten.

Auf irgendein Essen einigten wir uns dann schließlich für mich. „Eine halbe Portion für eine halbe Portion.“, scherzte Opa. Und alles war gut. Irgendwann gab es dann das erste Mal eine ganze Portion für mich und als ich die dann auch noch aufgegessen habe, haben sich meine Großeltern diesen Tag wahrscheinlich heimlich in ihren Kalendern markiert.

Irgendwann später wurden diese Ausflüge seltener. Als Teenager übernachtete ich weniger bei Oma und Opa, als mehr bei meinen Freunden und meiner ersten großen Liebe. Aber dann und wann stieg die Familie gemeinsam ins Auto und los ging es wieder zu einer Landpartie. Die Geschichten meiner Großeltern zu den Städtchen, die an uns vorbeizogen bzw. die Dörfer, durch die wir hindurchtuckerten, ergänzte mein Vater mit Erzählungen aus seiner Jugend – das fand ich dann schon spannender.

Und dann hatte ich irgendwann das erste Mal Hunger, als wir in eines dieser herrlichen Lokale kamen. Knödel, Rouladen – das Wasser lief mir im Mund zusammen. Aber dann entdeckte ich auf der Karte ein Gericht, was ich nicht kannte. Dessen Name meinen Vater aber mit verschleierten Augen zum Träumen brachte: smažený sýr.

Was das ist? Das ist panierter Käse. Und getreu dem Motto „Sahne macht keine Falten!“ gibt es dazu eine Tatarská Omácka. Quasi Mayo-Irgendwas-Soße.

Seit diesem Ausflug bin ich also dem panierten Käse verfallen! Bei den auf das Essen folgenden Streifzügen durch tschechische Lebensmittelgeschäfte habe ich entdeckt, dass es diese Tatarská Omácka im Glas fertig zu kaufen gibt – juhu! Nur noch den Käse selbst zu panieren und dazu einen Salat zu zaubern, ist dann wirklich ein Klacks. Wer jetzt Lust hat, sich in ein wahres Käsekoma zu stürzen, der kann direkt loslegen:


Das braucht ihr:


2 Eier
etwas Mehl zum Panieren
Semmelbrösel zum Panieren
ein Stück Emmentaler (fertig abgepackte aus der Kühltheke)

So geht’s:


Das Stück Käse wird von mir geviertelt, sodass rechteckige, daumendicke Scheiben entstehen. Diese werden dann hingebungsvoll paniert. Das kennt ihr sicher: Drei Schüsseln oder tiefe Teller: 1x verquirlte Eier, 1x Mehl und 1x Semmelbrösel. Während ich mich ans Panieren mache, steht die Pfanne immer schon mit einem sich auflösenden Stück Butter auf dem Herd.
Das panierte Käsewunder kommt in die Pfanne und bedarf dort eurer vollen Aufmerksamkeit. Ihr habt sicher beim Panieren schon bemerkt, dass es durch die Löcher im Käse keine geschlossene Schicht der Panade gibt. Also: Regelmäßig wenden und dabei aufpassen, dass der sich verflüssigende Käse nicht ausläuft.

Dazu kommt bei mir die Tatarská Omácka von Hellmanns auf den Tisch und zum Käse gibt es, was man mag. Da ich das Käsekoma immer schon erahne, gibt’s bei mir meistens einen Salat dazu. Kartoffeln oder Kroketten gehen aber auch. Auf jeden Fall sollten Salat & Co schon fertig sein, bevor ihr mit dem Käse anfangt. Wenn die Panade goldgelb und der Käse butterweich ist, sollte nämlich gegessen werden.
Dann schmeckt es am besten! Den Strohhalm auf dem Bild braucht ihr übrigens für ein leckeres Getränk eurer Wahl. Ich hatte letztens eine tolle Limonade aus Leipzig. Aber die stellen wir euch später vor.

Guten Appetit!


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